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Dieses Thema hat 5 Antworten
und wurde 186 mal aufgerufen
 Sonstiges zum Kdo LSK/LV
Alphabet ( gelöscht )
Beiträge:

18.08.2019 11:54
2 Generaloberste und die Jeans Antworten

Eine reale Episode.
Mitwirkende:
Generaloberst W. Reinhold ( GOR) - Stellv. des Verteidigungsministers und Chef der Luftstreitkräfte/Luftverteidigung der DDR.
ein Generaloberst der Sowjetarmee und seine Enkelin
verschiedene dienstbare Geister.

Zeit: 1980ger Jahre in der DDR

GO Reinhold hatte seinen Schulkumpel aus Zeiten des Studiums an der sowjetischen Generalstabsakademie ( auch im Range eines Generaloberst) wieder einmal nach Strausberg eingeladen. Privat !
Wie immer, brachte Reinhold seinen Freund im Gästehaus Seebad in Strausberg unter. Das Gästehaus Seebad war das Gästehaus des Chef LSK/LV in Strausberg.
Also eine dienstliche Einrichtung.
Der sowjet. GO wohnte also bei seinem Privatbesuch kostenfrei in einem dienstlichen Gästehaus der NVA.
Diesesmal war er nicht allein. Außer seinen dienstbaren Geistern wie Fahrer und Adjutant war da noch seine minderjährige Enkelin.
Der hatte er Westjeans versprochen.

Einige Tage nach der Ankunft quängelte die Enkelin nun herum. Versprochen ist versprochen....
Also schickte GOR seinen Adju samt Enkelin und Begleitung nach Berlin (Ost) um Jeans zu kaufen.
Wie es so ist-Jeans waren in der DDR gerade aus. Selbst in Berlin war nichts zu machen und Ostjeans ( diese Lappen) wollte die Enkelin nicht. Sie kehrten also unverrichteter Dinge zurück und im Schlepptau die arg quängelnde Enkelin. Denn versprochen ist versprochen....
Was Tun ? würde Lenin sagen.

Der sowjet. GO handelte prompt. Anruf bei der sowjetischen Verbindungsmission der Alliierten für Berlin. Ein höherer sowjetischer Offizier der Mission setzte sich dann nach Strausberg in Verbindung. Dort erhielt er vom sowjet. GO- oder besser, seiner Enkelin genaue Instruktion.
Der sowjet. Offizier der Mission fuhr dann nach Berlin (West). Kaufte etliche Jeans und brachte die Sachen nach Strausberg.
Der sowjet. GO zufrieden grunzend, da seine Enkelin endich und überglücklich sich nun Eigner von echten Westjeans nennen konnte um dann in Moskau auf die Kacke zu hauen.

Wir sehen, wieviel Machtmissbrauch doch in dieser sozialistischen Gesellschaft an der Tagesordnung war. Für private Dinge wurden ganze Heerscharen an dienstlichen Personen den Tag über missbrächlich beschäftigt.
Aber Machtmissbrauch und Vetternwirtschaft soll es ja in der sozialistischen DDR nicht und nie gegeben haben. So die Partei-und Staatsverantwortlichen 1989/90.
Das praktische Leben belehrte uns aber eines Besseren.

Brettschneider Offline



Beiträge: 14
Punkte: 14

18.08.2019 11:57
#2 RE: 2 Generaloberste und die Jeans Antworten

Eine ähnliche Geschichte von 1989.
Ich war damals im Organisationsbüro für eine Tagung leitender Generale der Luftverteidigung des Warschauer Paktes im TAZ in Strausberg.
TAZ war das Tagungszentrum des Ministerium für Nationale Verteidigung der DDR.
Also eine hochdienstliche und hochgeheime Maßnahme.

Besonders die sowjetische Generalität reiste mit Gattin zu dieser dienstlichen Tagung an. Daher Aufgabe für uns. Für die 2 Tage der Tagung ein Frauenprogramm zu organisieren.
Unterkunft für alle sowjetischen Teilnehmer war der Unterkunftstrakt des TAZ.

Letztlich sind folgende Punkte für das Damenprogramm von sowjetischer Seite bestätigt worden.
erster Tag- Anreise- Besichtigung von Strausberg mit Führung durch einen Oberstleutnant
zweiter Tag: Shopping in Ostberlin am Alex und Bustour durch Berlin
dritter Tag: Shopping in Westberlin am Kudamm ( Einzurichten und zu begleiten durch Offiziere der sowjet. Verbindungsmission) inkl. Bereitstellung von genügend DM aus der Staatskasse.

Am zweiten Tag: Sondereinkauf 2 Stunden vor der offiziellen Öffnungszeit im Centrum-Warenhaus am Alex ( heute Kaufhof) mit Modenschau und Westklamotten.
Die 40 Damen hatten also 2 Stunden das ganze Kaufhaus für sich. Und so maches Teil ging verbilligt über den Ladentisch, von dem Sortiment anschließend das DDR-Volk bei seinem Einkauf nichts zu sehen bekam.

Ja, so war es damals.

Ali Offline




Beiträge: 42
Punkte: 58

18.08.2019 11:58
#3 RE: 2 Generaloberste und die Jeans Antworten

Abgehobene gab es halt oder auch welche die nicht wahr haben wollten was wahr ist. 1981 oder 1982 in Moskau ... uns erzählte jemand das es in einem Park (Gorki Park, Sokolniki Park ???) eine Spielautomatenhalle geben soll. Unter anderem mit Spielen wie Schiffe versenken über ein Periskop wie aus einem U-Boot...
Wir also zu viert in Uniform durch den Park. Nichts zu finden .... Nach einiger Zeit näherte sich uns auf dem Weg ein sowjetischer Oberst. Welch ein Glück: Wer wenn nicht er sollte dies wissen. Unser gut russisch sprechender Hauptmann stellte diesem dann die entsprechende Frage. Aber oh weh..... der Oberst schluckte nach Luft, lief etwas an und ergoss eine schimpfende Belehrung über uns. Fazit: In einem sozialistischem Staat wie der Sowjetunion gibt es soetwas nicht. Wir sollten einmal unsere Gedanken und Gesinnung prüfen ... also nicht wie fort. Nach einiger Zeit fanden wir ein kleineres Gebäude mit besagten Spierlautomaten. Wohl ein Rückbleibsel der olympischen Spiele.

Auch hier eine Lücke zwischen Realität und Wirklichkeit ....

Keksie Offline



Beiträge: 40
Punkte: 72

18.08.2019 12:00
#4 RE: 2 Generaloberste und die Jeans Antworten

Beispiele dieser Art gibt es noch und nöcher.
Es würde Bände füllen, wenn man alle der "sozialistischen Verhaltensweisen" von Partei- und Staatsapparat der ruhmreichen Sowjetunion aufschreiben würde.
Da würde so mancher Wendeheld das Grübeln bekommen, wenn er als Gegensatz dazu das sittsame Verhalten unserer damaligen Funktionäre betrachtet.
Die SU war nicht nur der Brutherd der Korruption, des Machtmißbrauchs und der staatlichen Willkür - das wurde dort auch ziemlich schamlos und offen praktiziert.
Es hätte sich mal ein OSL des MfS wagen sollen, in einem vollbesetzten Restaurant mittels seines Dienstausweises sich einen Tisch leeren zu lassen.
Den hätten sie hier aus der Behörde und der Partei rausgejagt ....
In Moskau war das noch 87 beim KGB absolut normal .......

Rakete Offline



Beiträge: 73
Punkte: 117

18.08.2019 12:01
#5 RE: 2 Generaloberste und die Jeans Antworten

.. ja, ja, die Enkelin des Generaloberst.

Wie schon geschrieben hat, gibt es Beispiele dazu genug.
Die Umgebung formt nun mal den Menschen - vor allem Kinder...

Eine Episode dazu fällt mir spontan wieder ein.
Während meiner U-Schulen-Zeit 1973 in Kamenz, gingen wir hin und wieder am Wochenende auch mal in das standorteigene Kino. Ausgang mit diesem "Dienstgrad" war, in einer Stadt, wo es von Offizieren und Offiziersschülern nur so wimmelte, eben nicht so toll.
Am Standort wohnten auch viele Offiziere mit ihren Familien, so daß auch viele Kinder das Kino besuchten.
Soweit so gut. Der Film war zu Ende und wir bewegten uns zum Ausgang, bis sich eine Horde Jungen (so zwischen 6 und 10 Jahren alt) massiv zwischen uns hindurch zu pflügen versuchte. Nach einer ruhigen Ansage, das Kino doch gesittet zu verlassen, baute sich so ein Rotzlöffel - die Augen weit aufgerissen und die Hände in die Hüften gestützt - vor mir auf und ließ mich mit den Worten: "willst Du mich belegen? - Mein Vater ist Oberstleutnant!" stehen....

Eggersdorfer Offline




Beiträge: 80
Punkte: 124

18.08.2019 12:02
#6 RE: 2 Generaloberste und die Jeans Antworten

In Strausberg/Eggersdorf war zur Armeezeit gerade wieder Beförderung im Kommando LSK/LV angesagt.
Auch Oberstleutnante wurden zum Oberst befördert. Auch Oberstleutnant X.
Frau X ging in der Wohngebietskaufhalle ( heute heisst sowas ja Supermarkt) Paul-Singer-Str. einkaufen. An der Kasse alles durch und die Verkäuferin " noch einen schönen Tag Frau X ".
Frau X drehte sich um und erwiderte erbost " Was bilden sie sich ein ? Ab heute möchte ich nur noch mit Frau Oberst angesprochen werden - mein Mann wurde zum Oberst befördert.." .

Leute, Frau X war noch nicht einmal zu Hause angekommen, da verbreitete sich die Geschichte wie ein Lauffeuer in der Siedlung.
Als Oberst X dann vom Dienst Heim ging, hatte ihn die Sache bereits erreicht. Denn er musste schon bei seinem General deswegen antreten. Er hatte den Auftrag, der Frau X den Kopf zurecht zu rücken. Denn sie blamiert ja das ganze Offizierskorps.
Seitdem ging Frau X auch woanders einkaufen.

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